Grundsätze der Montessori-Pädagogik

Das Kind im Mittelpunkt der Pädagogik - Maria Montessori revolutioniert die Erziehung

Anfang des letzten Jahrhunderts begann die Italienerin Maria Montessori ihre Pädagogik zu entwickeln, sie wurde ihr Lebensprojekt. Die ausgebildete Ärztin arbeitete zunächst mit behinderten Kindern. Sie war der Ansicht, dass auch diese Kinder ein Recht darauf haben, etwas zu lernen. So vertiefte sie sich in die Pädagogik und setzte zunächst u.a. Materialien des Pädagogen Seguin ein, Schritt für Schritt passte sie diese den Bedürfnissen der Kinder an und entwickelte sie weiter.

Ihre großen Erfolge bei diesen Kindern, die in kürzester Zeit auf dem Niveau gesunder Schulkinder waren, ließen sie an den Unterrichtsmethoden der Volksschulen zweifeln. Sie begann, ihre Materialien zu adaptieren und ihre Methode für die allgemeinen Schulen weiterzuentwickeln.

Sie bekam von der Stadt Rom die Möglichkeit, ihre Methoden in die Praxis umzusetzen: In einem römischen ArbeiterIviertel entstand die erst "Casa dei Bambini". Sie arbeitet dort mit Kindern, von denen nichts erwartet wurde, außer wieder Arbeiter/in zu werden. Die Forschritte, die diese Kinder in der von Maria Montessori vorbereiteten Umgebung erzielten, waren unerwartet und beeindruckend.

Bald darauf war ihre Methode so angesehen, dass sie weltweit Kurse abhielt, in denen sie ihre Pädagogik vermittelte. Die Montessori-Bewegung nahm ihren Lauf.

Das revolutionäre an Maria Montessoris Pädagogik war, dass sie das Kind in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellt und von diesem Blickwinkel aus ihre Pädagogik und die damit verbundene Lernumgebung und Materialien entwickelte (dass Kinder z.B. ihrer Größe angepasste Schultische und Stühle haben müssen, beruht auf ihrem Konzept).

Mittelpunkt der Pädagogik Maria Montessoris ist, dass nicht die Ziele oder die Vorstellungen der Erwachsenen erfüllen sollen und können, sondern dass Kindern die Möglichkeit gegeben werden muss, sich eigenständig und sozial kompetent zu entwickeln.

Dabei stehen der Erwerb des Wissens sowie die Fähigkeit, sich dieses eigenständig anzueignen, die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit, und der sozialen Kompetenz sowie die Verantwortung für die Umwelt (Maria Montessori verwendet den Begriff Schöpfung) im Vordergrund.

Fünf Prinzipien der Montessori-Pädagogik

Anerkennung der Individualität eines jeden Menschen und somit auch eines jeden Kindes

Jeder Mensch trägt einen individuellen inneren Bauplan in sich, nach dem er oder sie sich entfaltet. Talente und Fähigkeiten sind dort verborgen. Durch die respektvolle Begleitung von Kindern und Jugendlichen können vorhandenen Potentiale geweckt und gefördert werden. Jedes Kind, jede/jeder Jugendliche und auch jede/jeder Erwachsene hat ein Recht auf sein/ihr eigenes Tempo in der Entwicklung und der Arbeit, auf eigene Entscheidungen und eigene Fehler.



Die Freiarbeit als grundlegendes pädagogisches Prinzip

Jedes Kind kann aus dem Materialangebot selbst wählen und bestimmen, wie lange, wie oft und mit wem es arbeitet. Es wird dabei aber nicht allein gelassen, sondern von den Pädagog/innen auf dem Weg zur Selbstständigkeit begleitet.



Der integrative Unterricht

Normal ist es, verschieden zu sein. - Kinder und Jugendliche lernen in gemischten Gruppen. Dies ermöglicht ein Miteinander mehrerer Alterstufen, unterschiedlicher Begabungen und Bedürfnissen, ebenso wie verschiedener Sprachen und Kulturen. Ein wesentliches Ziel der Montessori-Pädagogik ist das friedliche Miteinender aller Menschen. In den Montessorieinrichtungen wird dieses geübt und gelebt.



Die vorbereitete Umgebung und das Entwicklungsmaterial

Lernen ist nur in einer positiven Atmosphäre möglich. Kinder und Jugendliche sind von sich aus bereit, zu Lernen. Eine ihnen angepasste Lernumgebung, die ihren Bedürfnissen entspricht, ist eine wesentliche Voraussetzung, die Neugier zu fördern und Lernen zu einem befriedigenden und befreienden Prozess zu machen.

Die Arbeitsbereiche sind übersichtlich gestaltet und ermöglichen es den Kindern und Jugendlichen, eigenständig aus den Materialen zu wählen, um ihre Freiarbeit zu gestalten.

Die Materialien sind in sich schlüssig und vermitteln jeweils einen wichtigen Lernschritt. Sie ermöglichen ein Lernen mit allen Sinnen, über das Begreifen ist ein ganzheitliches Erfassen von Lerninhalten möglich.



Montessori-Pädagog/innen sind Wegbegleiter/innen

Montessori-Pädagog/innen begleiten Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg hin zu einer Persönlichkeit, die selbstbewusst und der anderen bewusst ist. Sie begleiten und beobachten individuelle und Gruppenprozesse, setzen in der Wissensvermittlung entwicklungsgerechte Schwerpunkte, sind ModeratorIn bei der Entwicklung von Kommunikation und Konfliktarbeit. Dabei steht im Vordergrund, Kinder und Jugendliche eigenen Erfahrungen und Fehler zu machen und eigene Lösungen zu erarbeiten.


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